Gerade warten David und ich in Woodstock, NB auf den morgigen Tag, um in die USA einzureisen. Dann kann ich nämlich noch in Ruhe Silvester in Kalifornien verbringen und muss nicht nach 90 Tagen schon vorher raus.
Seit meinem letzten Eintrag hier hat mein Ubuntu ein bisschen rumgezickt, deswegen kommt jetzt erst eine Zusammenfassung der letzten Zeit und auch der ganzen 147 Tage in Kanada.
Nach Ontario ging es für uns nach Quebec. Der französisch-sprachige Teil Kanadas.
Und nicht nur die Sprache ist anders. Nachdem ich so viel Zeit in den typisch kanadischen Provinzen verbracht habe, konnte ich mein Glück in Montreal kaum glauben.
Es ist wirklich alles europäischer. Die Leute haben ein recht starkes Nationalgefühl, reden kaum englisch, laufen täglich mit Baguette durch die Straßen, jeder fährt Fahrrad, im "plateau" reiht sich ein Café an das andere und der Teer weicht Kopfsteinpflastern. Die Stadt hat mich ziemlich an Paris erinnert. Auch wenn sie lange nicht so alt ist...
Ich habe mir hier jeden Tag ein Fahrrad gemietet und die sights angeschaut.
Täglich habe ich Baguette mit Käse und einer Tomate gegessen. Hier war es das erste Mal billig und gut.
Leider, leider bin ich nicht so der Stadtfotograph; kann euch also keine Fotos der Uni, der Skyline oder irgendwelcher Gebäude zeigen. Ich habe hier nur mal ein Foto von mir auf einer Session und einer Straße, wie es da überall aussieht.
Für euch wahrscheinlich wenig beeindruckend. Aber wenn man Montreal mal mit den andern nordamerikanischen Städten vergleicht, weiß man den europäischen Touch zu schätzen!!
Nach Quebec City sind wir zur Gaspé Halbinsel gefahren. Hier spricht keiner mehr englisch und außer den Häusern und den Autos gibt es auch nicht mehr viel, was an "typisch kanadisch" erinnert. Sogar KFC heißt hier PFK! :D
Wenn man mal in Quebec ist, muss man übrigens unbedingt Poutine essen.
Pommes, Käse und Bratensoße. Sündhaft lecker..
Und hier ist nochmal David
Neu Braunschweig (New Brunswick) lag auf dem Weg nach Neu Schottland (Nova Scotia) und hat uns in erster Line wegen der billigen Benzinpreise gefallen.
Als wir vor 2 Wochen in Halifax angekommen sind, hatten wir nach 15 Wochen Roadtrip durch Kanada endlich den Kontinent durchquert. Ein sehr geiles Gefühl!
Hier habe ich beim "busking" (Straßenmusik machen *g*) Phil kennen gelernt. Wir haben einen Sonntag lang am Farmers Market gejammt.
Am gleichen Abend gab es eine fette Party bei ihm in der WG. Wir konnten wegen der ganzen Bier aber kein "Jazz Attack 2" auf die Beine stellen.
Der Abend stand aber ganz unter dem Motto "Its always more fun to share with everyone"
Und in der Tat haben wir ein unglaubliches Salmon Green Curry gekocht, das uns noch Wochen hätte satt machen können.
Am nächsten Tag bin ich zu einer Band Probe eingeladen worden und spontan hat die Band einen Gig auf einem Hippi Straßen Fest bekommen.
Nach einer kurzen Probe hatten wir dann also unseren ersten Auftritt da.
Es war wunderschön! So richtig Hippi Style eben. Mit allem möglichen free organic food, Hullahup - Reifen, Reggea 8~$ Bands... und so.
Am Tag danach haben wir uns von Phil und der WG verabschiedet und sind hoch ans Cape Breton gefahren. Da haben wir innerhalb von 2 Tagen den Cabot Trail gemacht.
Tja und jetzt sitzen wir in Woodstock, der ältesten Stadt in New Brunswick und schauen zurück auf eine ziemlich tolle Zeit in Kanada.
Ich werde immer wieder gefragt, wo es mir am besten gefallen hat - aber sebst jetzt kann ich das nicht genau sagen.
Meine Antwort ist immer: Es hängt nur davon ab, was man da macht und wie es einem geht.
Ich kann mich noch gut an meine erste Woche in Vancouver erinnern.
Als ich aus dem Flieger gestiegen bin, hätte man mich mit Fischköpfen beschmeißen können und ich hätte es toll gefunden. Einfach, weil es etwas anderes als zuhause gewesen wäre.
Und das ging ziemlich lange so. Aber nach dem ersten Monat habe ich mich auch in Vancouver wieder so eingelebt, dass selbst die besonderen Sachen Routine wurden und ich das, was ich hatte, nicht mehr wirklich schätzen konnte.
Als dann im Juli der Roadtrip begann, war wieder alles neu. Plötzlich haben wir auf Schaum im Auto geschlafen, sind jeden Morgen an anderen Orten aufgewacht, haben unglaublich viel Natur gesehen, Leute kennengelernt...
Aber auch hier - nach ein paar Wochen hatte sich all das wieder so routiniert, dass das eigentlich wunderschöne Reisen erst wieder besonders würde, wenn irgendetwas Bemerkenswertes passieren würde.
Ich würde auf keinen Fall sagen, dass es sich nicht gelohnt hat, aber in erster Linie habe ich hier nur verdammt viel gelernt - und nicht in Saus und Braus das Leben genossen.
Und das, was unsere einzelnen Stationen besonders gemacht hat, war sicher der Kontakt zu anderen Menschen.
Besonders will ich da jetzt mal Alois und Michael aus Vancouver erwähnen.
Dann all die Leute aus dem Jericho Beach Hostel.
Besonders Sophia, Lucy, Karl und die ganzen Verrückten...
Dann Thomas und Solamita aus Kamloops, Qian und ihre chinesischen Freunde aus Winnipeg, Justus, John und Shawn aus Ontario, den einen Kerl aus Saskatoon, der mir all die unglaublichen Reisetipps gegeben hat... ähhh Gabor (ich muss immer David nach dem Namen fragen ^^) und dann natürlich Phil aus Halifax.
Aber nicht nur das hier erlebt zu haben war wichtig sondern auch der Kontakt zu euch. Mit einigen habe ich noch nie so viel geredet wie jetzt, währenddessen ich weg bin.
Und eins habe ich schätzen gelernt: Home is where your heart is!
An dieser Stelle muss ich auch noch ganz besonders ein Buch erwähnen, das mich oft Tag und Nacht wach gehalten hat. Es wird nur die Musiker unter euch interessieren, aber was ich damit gerade lerne, ist unglaublich.
Sachen, die ich noch nie wirklich verstanden habe oder die mich interessiert haben, tragen jetzt dazu bei, dass ich jedes Lied auf Anhieb verstehe.
Frank Sikora - Neue Jazz Harmonie Lehre.
Wirklich. Wenn ich eins richtig gelernt habe und lernen musste, dann war es das aus dem Buch! :) Nagut und noch ein paar andere Sachen, nicht aus dem Buch :)
Musik, die mich in Kanada begleitet hat war fast ausschließlich von Dave Matthews, Bob Curnow, Pat Matheny, Estbjörn Svenson Trio (E.S.T), Nick Drake, Holly Cole, Miles Davis, Thomas Newman, Bob Dylan, Coldplay, Jamie Cullum, Branford Marsalis, Club des Belugas, Bill Evans, Kettcar, Paul Desmond und Oscar Peterson.
Auf unserer Reise durch die USA zurück nach Kalifornien wird es ein bisschen anders werden.
In New York bekomme ich Besuch von einer guten Freundin aus Deutschand und kann da drei Wochen bei Freunden wohnen. In Kentucky können wir auch bei Freunden wohnen und generell wird der Trip ein bisschen geplanter und unterliegt einer klareren Durchführung und einem Zeitfenster.
Ab Dezember werde ich mich bis Anfang Januar in Kalifornien sonnen und dann versuchen, den Van in Vancouver zu verkaufen. David wird auch schon vor Weihnachten zurückfliegen. Also mal sehen. Ab morgen wird es alles ein bisschen anders. Was auch gut ist. Gerade eben hatten wir nämich auch ein bisschen die Nase voll von Kanada ;)
Ps. Indian summer ist hier grade im vollen gange... So was von bunt. Von dem tief grünen der Tannen zu Bordeaux im Laub..
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